Roboter-Echse gibt Einblick in die Evolution

Die Evolution der Fortbewegung erster Landwirbeltiere erforschen derzeit Wissenschaftler der Universität Jena und der École Polytechnique Fédéral Lausanne. Der entwickelte biometrische Roboter Pleurobot soll die Fortbewegung der Echse rekonstruierbar machen.

Im Uferbereich eines Gewässers im Thüringer Wald hinterließ - lange bevor die ersten Dinosaurier auf der Bildfläche erschienen - eine rund einen Meter lange Echse ihre Fußabdrücke. Das Außergewöhnliche an der davon heute erhaltenen Versteinerung ist ein zweiter Fund. "Wir können die Fußabdrücke einem Skelettfund zuordnen", so Dr. John A. Nyakatura, Zoologe und Evolutionsbiologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "So wissen wir, wie jenes Tier aussah, das seine Fußabdrücke damals im Schlamm hinterließ." Auf Basis dieser Funde und der Bewegungsabläufe heutiger Echsen haben die Jenaer und Schweizer Forscher, gefördert von der Daimler und Benz Stiftung, den biometrischen Roboter Pleurobot konstruiert - damit wollen sie Licht in das Dunkel der Fortbewegung der ersten Landgänger bringen. Allein durch Fossilien bzw. versteinerte Fußabdrücken ließ sich die Art der Fortbewegung von vor 300 Millionen Jahre nur erahnen und waren stark subjektiv geprägt, so die Wissenschaftler.

Die Forscher stufen die thüringische Echse als Schlüsselfossil ein, da sie noch vor der stammesgeschichtlichen Abzweigung von Dinosauriern, Schlangen, Schildkröten und Synapsiden (woraus sich schließlich die Säugetiere entwickelten) steht. Nyakaturas Team unterzog zunächst verschiedene heute lebende Tiere einer eingehenden Bewegungsanalyse. Eine digitale Hochgeschwindigkeits-Röntgenanlage am Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena macht dabei feinste skelettale Bewegungen sichtbar, die mit als Grundlage für den Echsen-Roboter dienten. "Die Verwendung einer neuartigen Laufmaschine liefert uns dabei nicht nur Erkenntnisse über das untersuchte Exemplar, sondern wir können aus unseren Forschungen auch allgemeingültige Prinzipien zur Evolution der Bewegung bei Landwirbeltieren ableiten", erklärt Nyakatura.

Quelle: Dr. J. Schnurr, Daimler + Benz Stiftung