Bionik gewinnt international an Bedeutung

Das Buch und der Film "Da Vinci Code" sind weltweit zum Renner geworden. Nun bietet die US-amerikanische Wirtschaftsprofessorin Lynn Reaser den "Da Vinci Index" an. Das ist ein handfestes Instrument für die Wirtschaft, Investitionen im Bereich Bionik mess- und bewertbar zu machen. Benannt hat die Professorin den Index nach Leonardo da Vinci, weil der vor Jahrhunderten schon das Grundprinzip der heutigen Bionik oder Biomimicry angewandt hat: von der Natur zu lernen, etwa beim Bau von Fluggleitern nach dem Prinzip des Vogelflugs.

 Reaser hat beim zweiten Jahreskongress Biomimicry Europe Innovation and Finance in Zürich Anfang September den Eröffnungsvortrag gehalten. Die Pionierin in der Analyse des finanziellen Potenzials von Bionik ist Chefwirtschaftlerin an der Point Loma Nazarene University in San Diego. Sie spricht lieber von Bio-Inspiration als von Biomimicry, was ja eigentlich nur Nachahmung bedeutet. Den Da Vinci Index hat sie 2011 zusammen mit Kollegen ihres Instituts mit Studien im Zoo von San Diego entwickelt. Der Index misst wissenschaftliche Forschung, Patente und andere Entwicklungen im Bionik-Sektor. Bis vor kurzem wurden nur Daten aus den Vereinigten Staaten ausgewertet. Jetzt, angesichts der wachsenden Bedeutung dieses Feldes, will man global agieren.

Wie rasch die Bionik wächst, zeigen die Daten des Indexes, die sich gegenüber denen von 2000 heute versiebenfacht haben. Im vergangenen Jahr haben Wissenschaftler 2560 Arbeiten zu Bionik veröffentlicht. Die amerikanischen nationalen Gesundheits- und Forschungsinstitute haben Fördergelder von 1,4 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) in diesem Sektor bewilligt. Der Trend wird durch die Explosion im Bereich Biotechnologie und dem wachsenden Interesse an Nachhaltigkeit in der Welt gestärkt. Entwickler denken über Systeme nach, die mit den leicht zugänglichen Energien auskommen - wie biologische Organismen - statt teure Ressourcen wie Kohle, Öl und Gas zu verwenden.

Auf der Züricher Konferenz hoffte Reaser auf ergiebige Diskussionen über das dreidimensionale Drucken. Im 3D-Druck sieht sie die Möglichkeit, das große Potenzial von Bionik noch besser zu erschließen. "Wir befassen uns jetzt mit einer großen Studie  über die Verbindung des 3D-Druckens mit Bioinspiration." Die bisherige Herstellung mit harten Materialien und geraden Linien könnte durch mehr an organische Formen angepasste, dadurch stärkere aber flexiblere Produkte abgelöst werden, die auch noch leichter und kleiner sind als die traditionellen Holz- oder Stahlkonstruktionen.

Reaser und ihre Kollegen prognostizieren, dass Bionik jährlich 425 Milliarden Dollar zum US-Bruttoinlandsprodukt beitragen könne. 65 Milliarden Dollar könnten an Ressourcen und durch verminderte Kohlendioxid-Abgase eingespart werden. Global seien damit Wirtschaftstätigkeiten mit einem Volumen von 1,6 Billionen Dollar und 500 Milliarden an Einsparungen  durch Schadstoffreduzierung pro Jahr möglich.

3D-Drucken als Durchbruch

Die ehemalige Chefvolkswirtin der Investmentabteilung der Bank of America ist überzeugt, dass das 3D-Drucken der technologische Durchbruch sein könnte, der Bionik den Weg zu breiter Anwendung öffnet. "Bisher haben wir kein Risikokapital in diesen Sektor fließen sehen", sagt sie. Doch das könnte sich nach Ansicht der Wissenschaftlerin bald ändern, schließlich seien Anleger "an Innovationen und technologischen Durchbrüchen interessiert."

Quelle: Mannheimer Morgen