Baubionik

"Natürliches" Bauen bedeutet zum einen eine Rückbesinnung auf traditionelle Baumaterialien, die auch in der Biologie verwendet werden (beispielsweise Tonmaterialien mit ihren baubiologisch interessanten Eigentümlichkeiten). Andererseits gewinnt man aus dem Studium biologischer Leichtbaukonstruktionen Anregungen für temporäre technische Leichtbauten. Anregungen können beispielsweise kommen von Seilkonstruktionen (Spinnennetzen), Membran- und Schalenkonstruktionen (biologischen Schalen und Panzern) schützenden Hüllen die Gasaustausch erlauben (Eischalen), Etagenbauten, Integration abgehängter Einheiten, wandelbaren Konstruktionen, Konstruktionen mit stärker recyclierbaren Materialien als die Technik das bisher kennt, idealen Flächendeckungen (Blattüberlagerungen) und Flächennutzungen (Wabenprinzip). Wichtig sind Abstimmungen von einzelnen Wohnelementen in der Gesamtfläche in ihrer Ausrichtung beispielsweise zur Sonne und Wind in Analogie zu Blattüberdeckungen und Blütenkonstruktionen und anderes mehr.

Fallbeispiel: Rosettenpflanzen und Hauskonstruktionen. Rosettenpflanzen stellen ihre Blätter meist so, daß sie sich bereits während ihrer Entwicklung und dann auch während ihrer Lebenszeit in Ausrichtung zur wandernden Sonne gegenseitig möglichst wenig beschatten (Abb. A). Die italienische Architekten P. Portoghesi und M. Gigliotti haben im Wohngebiet Santa Marinella in Rom eine 13-stöckige Hauskonstruktion in Analogie zu solchen Rosettenpflanzen vorgestellt (Abb. B), die - durchaus individuell gestaltete - Wohneinheiten raumsparend so ineinander schachtelt, daß sich die einzelnen Einheiten im Sommer (bei sehr starker Sonne) gegenseitig etwas beschatten, im Winter aber möglichst wenig die Sonne wegnehmen, und daß sie gleichzeitig unter idealer Nutzung einer gegebenen Gesamtgrundfläche die Landschaft vor flächenüberziehenden Einzelhäusern bewahren.